Lautlos unterwegs

Mit dem Elektroauto vom Ruhrgebiet nach Südfrankreich

Kapitel 12:
Der letzte Tag: Flott und problemlos von Bèze nach Unna

Das hotelseitige Frühstücksangebot schon ab 7.00 h nahmen unsere beiden Reisenden gern an und machten sich schon um 7.40 h auf den weiteren Weg nach Norden.

20. Ladestopp in Bèze
Entfernung: 15 km
Ladestand: 33 %
Rest-Reichweite: 55 km
Neuer Ladestand: 100 %
Neue Reichweite: 180 km

Weniger aus Notwendigkeit, sondern um die Sodetrel-Stationen zu prüfen, entschlossen sie sich, zwei Mal zwischenzuladen, und zwar auf den beiden Aires von Langres Perrogney – nach 42 km – und Val de Meuse – nach weiteren 37 km. Ersterer wurde gegen 8.00 h erreicht, und schon reute die Reisenden ihr Entschluss: die Ladebox war mit einer französischen ZOE belegt, deren Fahrer, Beschäftigter bei Renault, dem Mutterkonzern von ZOE, ihnen bedeutete, er brauche noch 10 Minuten, und sich dann wieder in seine Unterlagen vertiefte. Nach 20 Minuten verabschiedete er sich mit kurzem freundlichen Smalltalk, sodass unser Elektromobil von 8.20 h bis 9.00 h laden konnte.

21. Ladestopp in Aire de Langres-Perrogney
Entfernung: 42 km
Ladestand: 75 %
Rest-Reichweite: 107 km
Neuer Ladestand: 95 %
Neue Reichweite: 154 km

Dieser Ablauf und insbesondere die Verzögerung verführten die Reisenden zu der Erwägung, die Zwischenladung in Val de Meuse zu überspringen, allein ein Blick auf die Entfernung zur übernächsten Lademöglichkeit in Toul-Chaudeney, nämlich weitere 135 km, belehrte sie eines Besseren: also doch Kurzladung an der gut ausgeschilderten, hinter der Raststätte gelegenen Sodetrel-Säule von 9.25 h bis 9.50 h.

22. Ladestopp in Aire de Val de Meuse
Entfernung: 37 km
Ladestand: 52 %
Rest-Reichweite: 107 km
Neuer Ladestand: 99 %
Neue Reichweite: 148 km
 

Fünf viertel Stunden später erreichten die Reisenden jene Rastanlage, deren Sodetrel-Ladesäule, über eine Brücke problemlos zugänglich, in Fahrtrichtung Westen liegt, dort heißt die Anlage Toul-Dommartin.

23. Ladestopp in Aire de Toul-Dommartin
Entfernung: 98 km
Ladestand: 47 %
Rest-Reichweite: 81 km
Neuer Ladestand: 98 %
Neue Reichweite: 160 km
 

Nächstes Zwischenziel war, wie schon auf der Hinfahrt, IKEA Metz-La Maxe, das die Reisenden um 12.50 h anfuhren. Auch diese kostenlose, aber nur während der Öffnungszeiten nutzbare Ladestation war belegt, sodass ZOE ihren Stromdurst erst ab 13.15 h stillen konnte. Anders als vor einer Woche erwies sich der Gang zum Empfang, um dort die KiWhi-Karte zur kostenlosen Nutzung zu erhalten, als überflüssig, denn der Ladevorgang begann unmittelbar mit ZOEs Anschluss an die Ladesäule. Angesichts ihres wirklich frühen Frühstücks war klar, dass auch diesmal das IKEA-Restaurant beiden Reisenden ihren Mittagsimbiss lieferte.

24. Ladestopp in La Maxe
Entfernung: 77 km
Ladestand: 55 %
Rest-Reichweite: 81 km
Neuer Ladestand: 99 %
Neue Reichweite: 181 km
 

Um 14.00 h ging es weiter. Mit Wehmut im Herzen, aber ohne Besonderheiten verließen unsere Reisenden das Land ihrer Sehnsüchte, durchquerten Luxemburg und erreichten hinter Wasserbillig, früher immer „Spritbillig“ genannt, die Eifel. Diesmal bot sich an, die auf dem Hinweg übergangene Ladestation in Bitburg anzusteuern, auch deshalb, weil ihr Betreiber, die örtliche Volksbank, gleichfalls mit kostenloser Ladung winkte, dies derzeit nur innerhalb der Geschäftszeiten. Gerade noch rechtzeitig, nämlich um 15.45 h, erreichten sie die Station, die ein freundlicher Mitarbeiter quasi auf dem Heimweg freischaltete. Die Ladezeit nutzten die beiden Reisenden zu einem Gang ins nahe Stadtzentrum, um sich auf dem Marktplatz in einem Eiscafé mit Blick auf einige schöne alte Häuser gütlich zu tun.

25. Ladestopp in Bitburg
Entfernung: 127 km
Ladestand: 35 %
Rest-Reichweite: 53 km
Neuer Ladestand: 98 %
Neue Reichweite: 181 km
 

Um 16.35 h nahm ZOE wieder die B 51 unter ihre Räder, die letzte Ladesäule ihrer Experimentalfahrt im Visier, das für eine Ladestunde kostenlose Angebot von Aldi-Süd in Erftstadt-Liblar. Die Höhen der Eifel ängstigten die Reisenden nach den gewonnenen Erfahrungen nun schon deutlich weniger. Weitere Ermutigung erfuhren sie auch dadurch, dass sie der bei Abfahrt in Bitburg angegebenen Reichweite von 181 km die bis Liblar gefahrenen 116 Km und die bei Ankunft dort noch verbliebene Rest-Reichweite von 62 km gegenüberstellten: die Steigungen, die ja irgendwann immer Rekuperation erlaubende Gefällstrecken nach sich ziehen, hatten also mal gerade 3 km „gekostet“.

Zu den Öffnungszeiten passend, nämlich um 18.10 h erreichten sie den Aldi-Parkplatz, schlossen ZOE an und machten sich auf die Suche nach einer Gelegenheit zur Stärkung, kein leichtes Unterfangen an einem Montag in Liblar. Ihr Weg führte sie am Schloss Gracht vorbei, eine der eindrucksvollsten Wasserburgen im Kölner Raum, heute Hotel und Tagungsstätte. Versehen mit dem Rat freundlicher Einwohner fanden sie dann doch eine Pizzeria, die ihnen eine ordentliche cena, also ein Abendessen bot. So gestärkt, machten sie sich um 19.25 h auf die letzte Etappe ihrer Expedition über Köln, Wuppertal und Hagen.

26. Ladestopp in Erftstadt-Liblar
Entfernung: 116 km
Ladestand: 75 %
Rest-Reichweite: 62 km
Neuer Ladestand: 98 %
Neue Reichweite: 201 km

Je näher sie dem Ziel kamen, umso klarer kamen Wolfgang die Zeilen eines Gedichts von Heinrich Heine in den Sinn: Deutschland – ein Wintermärchen. Doch die Verse veränderten sich leicht, auch bedingt durch die Länge der Fahrt und die vorgerückte Stunde:  

Dicht hinter Hagen ward es Nacht,
und ich fühlte in den Gedärmen
ein seltsames Frösteln. Ich konnte mich erst
in Unna, zu Hause, erwärmen.

Erwartungsvoll fand ich die Gattin dort,
die schenkte mir freundlich ein Glas ein;
sie half beim Entladen des Autos mit,
die Augen glänzten im Mondschein.

Den leicht westfälischen Akzent
vernahm ich mit Freude wieder.
Viel süße Erinnerung entstieg dem Glas Wein,
Ich dachte der französischen Lieder,

und des Mitfahrers, womit ich so oft
am Abend in Frankreich getrunken,
bis wir gerührt einander ans Herz
und (fast) unter die Tische gesunken!

Um 21.10 h hatte also ZOE ihre Garage im heimischen Unna erreicht, gleich zwei Steckdosen vor Augen, den 400-V-Schnellladeanschluss und daneben die 230 V aus den Solarpaneelen, zu ihrer und Wolfgangs freier Wahl.

27. Ladestopp in Unna
Entfernung: 120 km
Ladestand: 33 %
Rest-Reichweite: 54 km

  

Da erreichte die Reise ihr Ende und der Chronist nun selbst mit einem Zugewinn an Lebensweisheit, aber auch erschöpft schrieb nur noch in leicht westfälischem Ton:
„So, Schluss, getz! So viele Seiten für die paar Tage!“

Für die beiden Reisenden – nun wieder einfach nur Einwohner – jedoch ging die Fahrt noch fort – in ihren Tag- und Nachtträumen der nächsten Zeit.

Und weil sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute und planen schon die nächste Tour –  frei nach Hermann Hesse:

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

Der uns beschützt und der uns hilft, zu laden.


Zum Anfang der Geschichte zurück

Zu den Nachbemerkungen